Unser Tieloh im Wandel: Wenn Geschichte wieder sichtbar wird
Über 110 Jahre Schulgeschichte, verborgene architektonische Schätze und eine spannende Verbindung von Vergangenheit und Zukunft: Bei einer Baustellenbesichtigung durften wir einen besonderen Blick hinter die Kulissen der Grundsanierung unseres Schulgebäudes am Tieloh werfen.
Ein Stück Hamburger Schulgeschichte
1912 wurde das Schulgebäude am Tieloh vom bedeutenden Hamburger Architekten Fritz Schumacher entworfen. Am 16. November 1914 fand hier der erste Schultag statt. Seitdem haben Generationen von Schülerinnen und Schülern in diesen Räumen gelernt und einen wichtigen Teil ihrer Schulzeit verbracht.
Mehr als 110 Jahre später wird das denkmalgeschützte Gebäude umfassend saniert. Dabei geht es um weit mehr als die Modernisierung eines Schulstandorts. Es geht darum, ein bedeutendes Stück Hamburger Architekturgeschichte zu erhalten und gleichzeitig einen zeitgemäßen Lernort für zukünftige Generationen zu schaffen.
Verborgene Schätze kommen wieder zum Vorschein
Gemeinsam mit dem zuständigen Projektleiter hatten wir die Gelegenheit, das Gebäude zu besichtigen und spannende Einblicke in die laufenden Arbeiten zu erhalten.
Was uns dabei besonders beeindruckt hat, waren die zahlreichen historischen Details, die im Zuge der Sanierung wiederentdeckt werden.
Über die Jahrzehnte wurde das Gebäude immer wieder verändert. Decken wurden abgehängt, Türen verschlossen und ursprüngliche Gestaltungselemente verdeckt. Nun wird Stück für Stück sichtbar, wie Fritz Schumacher das Gebäude einst gestaltet hat.
Besonders eindrucksvoll zeigt sich das in der Sporthalle. Durch das Freilegen der ursprünglichen Deckenstrukturen gewinnt der Raum einen ganz neuen Charakter und lässt bereits erahnen, welche architektonische Wirkung er nach Abschluss der Arbeiten entfalten könnte.
Auch an anderen Stellen warten bemerkenswerte Entdeckungen: Eine historische Tür wurde freigelegt und soll nun sorgfältig restauriert werden. Stuckelemente kommen wieder zum Vorschein und geben Einblicke in die ursprüngliche Gestaltung.
Besonders spannend sind die wiederentdeckten Durchgänge und Durchreichen. Diese waren über viele Jahre verschlossen oder verborgen. Nun wird geprüft, ob und wie sie künftig wieder genutzt und in den Schulalltag integriert werden können.
Dabei geht es nicht nur darum, historische Elemente sichtbar zu machen, sondern ihnen nach Möglichkeit auch wieder eine Funktion zu geben.
Das Erbe Fritz Schumachers ehren und bewahren
Eine der größten Herausforderungen dieser Sanierung liegt im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und den Anforderungen einer modernen Schule.
Historische Bauteile lassen sich nicht einfach ersetzen. Sie müssen sorgfältig untersucht, aufgearbeitet und möglichst originalgetreu erhalten oder wiederhergestellt werden.
Dafür werden beispielsweise alte Farbschichten untersucht und Farbproben genommen, um die ursprüngliche Gestaltung des Gebäudes nachvollziehen zu können.
Diese Arbeit verlangt allen Beteiligten viel ab: von der Projektplanung bis zu den Handwerkerinnen und Handwerkern, die täglich vor Ort mit großer Sorgfalt an den historischen Details arbeiten.
Das gemeinsame Ziel ist ebenso anspruchsvoll wie besonders: Das architektonische Erbe von Fritz Schumacher ehren und bewahren und gleichzeitig eine moderne Schule gestalten, die den pädagogischen Anforderungen der Gegenwart und Zukunft gerecht wird.
Denn so wertvoll die Geschichte des Gebäudes auch ist: Schule hat sich seit 1914 grundlegend verändert. Moderne Lernumgebungen, zeitgemäße technische Ausstattung und vielfältig nutzbare Räume müssen mit der historischen Bausubstanz in Einklang gebracht werden.
Genau darin liegt die Besonderheit dieses Projekts. Es soll nicht einfach ein altes Schulgebäude modernisiert werden. Vielmehr soll seine ursprüngliche architektonische Qualität wieder sichtbar werden, ohne dabei die Bedürfnisse einer modernen Schulgemeinschaft aus dem Blick zu verlieren.
Mit Vorfreude in Richtung 2028
Nach aktueller Planung soll die Grundsanierung im Jahr 2028 abgeschlossen sein.
Bis dahin gibt es noch viel zu tun. Doch bereits jetzt lässt sich erahnen, welches Potenzial in unserem historischen Schulgebäude steckt.
Die Eindrücke unserer Besichtigung waren jedenfalls mehr als vielversprechend. Wir sind gespannt, welche weiteren Details im Verlauf der Arbeiten noch zum Vorschein kommen und wie sich die einzelnen Räume entwickeln werden.
Ein herzliches Dankeschön gilt dem zuständigen Projektleiter für die spannende Führung, die vielen Hintergrundinformationen und die Möglichkeit, einen so besonderen Einblick in die Sanierung zu erhalten.
Wir freuen uns darauf, wenn unser Tieloh wieder mit Leben gefüllt wird – als moderne Schule in einem Gebäude, das seine Geschichte nicht versteckt, sondern stolz zeigt.